Verkehrsstatistik 2015 vorgestellt

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Verkehrsstatistik 2015 vorgestellt Stefan Studt - schleswig-holstein.de - Olaf Bathke
(BVP) Verkehrssicherheitsstatistik 2015: Weniger Tote, aber mehr Unfälle und Verletzte - Innenminister Stefan Studt: "Licht und Schatten auf den Straßen"

Die Zahl der Verkehrstoten in Schleswig-Holstein ist im vergangenen Jahr deutlich gesunken. 107 Menschen kamen 2015 auf den Straßen des Landes ums Leben. Das sind 14 weniger als im Vorjahr. Zugleich ist es der zweitniedrigste Wert, der jemals im Land registriert wurde. ""Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung"", sagte Innenminister Stefan Studt bei der Vorstellung des Verkehrssicherheitsberichtes 2015 heute (14. März) in Kiel: ""Angesichts von 107 getöteten Menschen verbieten sich jedoch Jubelmeldungen.""

Die Zahl der Verkehrsunfälle im Land ist 2015 um 5.621 (+7,1%) auf 85.220 erneut gestiegen. 16.409 (+2,4%) Menschen wurden verletzt. Insgesamt sind das die höchsten Werte seit sechs Jahren. Damit liegt Schleswig-Holstein leicht über dem Bundestrend. Angestiegen sind insbesondere die Anzahl der Unfälle außerhalb geschlossener Ortschaften und auf Bundesautobahnen. Ein milder Winter und eine positive Wirtschaftsentwicklung führen zu höherem Verkehrsaufkommen und steigenden Fahrleistungen.

""Die Bilanz ist gemischt. Wir haben Licht und Schatten"", sagte Studt. ""Es ist dringend geboten, dass die Polizei weiterhin die Verkehrssicherheitslage sorgfältig analysiert und durch gezielte Verkehrssicherheitsarbeit die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer gewährleistet."" Studt sagte zu, die Verkehrsüberwachung strukturell weiter zu stärken. So soll unter anderem der Einsatz von Videowagen auf den Autobahnen noch besser organisiert werden. Auch ein Blitzmarathon ist für 2016 wieder geplant. Studt appellierte zugleich an die Verkehrsteilnehmer, sich im Straßenverkehr noch verantwortungsbewusster zu verhalten: ""Wer rast und drängelt, wer ohne Gurt fährt und am Steuer telefoniert, gefährdet sich und andere akut. Das ist nicht tolerierbar.""

Die drei Hauptunfallursachen sind nach wie vor "Missachtung der Vorfahrt" (4.521 Fälle, + 388), "Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren" (4.403 Fälle, +45) sowie "Nicht angepasste Geschwindigkeit" (3.680 Fälle, +228). An vierter Stelle steht der ungenügende Sicherheitsabstand (2281 Fälle, +40). Alkohol und andere berauschende Mittel (1.497 Fälle, +40) folgen mit deutlichem Abstand auf Rang fünf der Unfallursachen.

Weitere wesentliche Erkenntnisse des Verkehrssicherheitsberichtes 2015:

Deutlich mehr Verkehrsunfälle und Verunglückte auf Bundesautobahnen
2015 ereigneten sich auf den Autobahnen mit 4.675 Verkehrsunfällen (+21,1%) deutlich mehr als im Vorjahr. Dabei wurden 1.198 Verkehrsteilnehmer (+194 bzw. 19,4%) verletzt. 6 Menschen (+1) starben. Die regen Bautätigkeiten auf den Autobahnen haben negative Auswirkungen auf die Unfallzahlen. In der Regel sind die Unfallfolgen in den Bauabschnitten geringer, weil hier niedrigere Geschwindigkeiten gefahren werden. Auf den unbeschränkt befahrbaren Abschnitten ist dagegen ein Anstieg bei den Verletzten festzustellen. Ein auffälliger Anstieg ist bei den Verkehrsunfällen mit Flucht zu registrieren. Bei 650 Verkehrsunfällen (+134 bzw. 26%) auf allen Autobahnen haben sich die Beteiligten unerlaubt vom Unfallort entfernt. Oftmals handelt es sich um seitliche Berührungen oder Beschädigungen von Absperrmaterial im Verlaufe der Großbaustellen.

Senioren weiterhin zunehmend am Unfallgeschehen beteiligt
Die Anzahl der durch Senioren verursachten Verkehrsunfälle stieg im vergangenen Jahr um 143 (+4,8%) auf 3.131. Dabei wurden 2.416 Verkehrsteilnehmer verletzt und 28 getötet. Senioren sind heute mobiler denn je. Der Anteil der Senioren am Unfallgeschehen steigt dem Bevölkerungsanteil entsprechend weiter an. Dadurch erhöht sich auch ihre Beteiligung an Verkehrsunfällen. Senioren sind in über 62% der Unfälle, an denen sie beteiligt sind, auch die Hauptunfallverursacher. Insbesondere in komplexen Verkehrssituationen sind sie oftmals überfordert. Als ungeschützte Fußgänger und Radfahrer ist ihre Verletzungsgefahr besonders hoch. Die Landespolizei setzt in diesem Interventionsbereich insbesondere auf Prävention und Aufklärung. Sicherheitsberater für Senioren sollen zu einer selbstkritischen Reflektion beitragen. Stellt die Polizei verkehrsunsicheres Verhalten bei älteren Kraftfahrern fest, veranlasst sie die Überprüfung der Fahreignung durch die Führerscheinstellen.

Pedelecs vermehrt am Unfallgeschehen beteiligt
Mit zunehmendem Marktanteil sind die Fahrer von Pedelecs (Fahrräder mit Tretunterstützung durch einen Elektromotor bis 25 km/h) mit 199 Unfällen (+59 bzw. 42%) auch vermehrt am Unfallgeschehen beteiligt. Diese Fahrzeuge werden insbesondere von älteren Verkehrsteilnehmern genutzt. An 58% der Pedelec-Unfälle waren Senioren über 65 Jahre beteiligt.

Hinsichtlich des Unfallhergangs unterscheiden sich Unfälle mit Pedelecs nicht von Unfällen mit herkömmlichen Fahrrädern. Der Anteil der Pedelecunfälle an allen Fahrradunfällen beträgt 4,8%.
Im Rahmen der Präventionsarbeit mit Senioren wird auf die Gefahren der Nutzung von Pedelecs hingewiesen. Die Polizei empfiehlt allen Fahrradfahrern das Tragen eines Fahrradhelms.

Zahl der Unfälle mit Kindern leicht zurückgegangen
Die Zahl der Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Kindern ist um 2,8% auf 1.303 gesunken. Allerdings sind dabei 1.389 Kinder verunglückt. Das sind 72 Kinder (+5,5%) mehr als im Vorjahr. Zwei Kinder starben. Besonders besorgniserregend ist die Veränderung bei den Unfällen mit Kindern als Mitfahrer in Kraftfahrzeugen. Hier verunglückten 599 Kinder. Das ist ein Anstieg um 11,5%. Die Verwendung von Kindersitzen und das Anlegen des Sicherheitsgurtes sind elementar für die Sicherheit der Kinder in Kraftfahrzeugen. Die Überwachung der Anschnallpflicht ist alltägliche Aufgabe aller Polizeibeamtinnen und Beamten. Im Rahmen von Schwerpunktaktionen wird hierauf auch in Zukunft besonders geachtet. Im Jahre 2015 hat die Landespolizei rund 18.000 Gurtmuffel angezeigt. Zudem sind Kinder als Verkehrsanfänger besonders gefährdet. Die Polizei hält deshalb an der Verkehrserziehung an Schulen fest. Sie bleibt ein verlässlicher Partner für Schüler, Eltern, Lehrer und Verbände. Schon im Frühjahr wird, wie vorgesehen, die Vorbereitung auf den Fahrradführerschein wieder aufgenommen. Die regionale Reduzierung der Präventionsarbeit aufgrund der Flüchtlingslage im letzten Quartal 2015 hat keinen signifikant höheren Anstieg der Unfallzahlen bezogen auf die Gesamt-Jahresentwicklung zur Folge gehabt.

Anstieg von Unfällen mit Güterkraftfahrzeugen auf allen Straßen
Die Anzahl der Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Güterkraftfahrzeugen stieg erneut deutlich um 338 (+14,1%) auf 2.743 an. Dabei ereigneten sich auf den Bundesautobahnen 81 Unfälle (+16,8%) und im nachgeordneten Verkehrsraum 257 (+13,4%) mehr als im Vorjahr. Die Anzahl der dabei Verunglückten stieg um 105 (+6,9%) auf 1.635. Bei diesen Unfällen wurden 30 Verkehrsteilnehmer getötet, davon 16 allein auf Bundesstraßen. Die Güterkraftfahrzeuge waren mit einem Anteil von 13,7% am gesamten Unfallgeschehen und mit einem Anteil von 9,9% an den Verunglückten beteiligt. Bei der Bewertung ist zu berücksichtigen, dass die Kilometerleistung von Güterkraftfahrzeugen deutlich höher liegt als der Durchschnitt anderer Kraftfahrzeuge.

Telefonieren und Tippen am Steuer gefährlich
Das Telefonieren am Steuer und die damit verbundene Gerätebedienung sind gefährlich. Noch gefährlicher und immer stärker verbreitet ist jedoch das Tippen auf einem Smartphone. In der polizeilichen Praxis oftmals nicht als Unfallursache nachzuweisen, aber wissenschaftlich belegt, ist es objektiv ein starker Ablenkungsfaktor. Ablenkung am Steuer ist keine Kategorie der bundeseinheitlichen Verkehrsunfallstatistik. Wer bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h nur zwei Sekunden auf sein Smartphone schaut, ist fast 30 Meter im „Blindflug“ unterwegs. Das sind 30 Meter, die als Reaktions- und Bremsweg fehlen können. Die Landespolizei hat im vergangenen Jahr mit 9.265 zwar weniger Verstöße (-5,3%) gegen die verbotene Handynutzung als Radfahrer und Kraftfahrzeugführer festgestellt, wird aber auch zukünftig entsprechendes Fehlverhalten intensiv überwachen. Gurt- und Handykontrollen bleiben ein Schwerpunkt der Landespolizei.

Einsatzlage wirkt sich auf Verkehrssicherheitsarbeit aus
Die Ergebnisse der Verkehrsüberwachung waren 2015 in fast allen Bereichen rückläufig. Dies ist an der Anzahl der beanstandeten Fahrzeuge deutlich abzulesen. Die besondere Einsatzbelastung der Landespolizei im vergangenen Jahr, insbesondere mit dem G7-Außenministertreffen in Lübeck und der Flüchtlingslage, haben die Kräfte der Verkehrsüberwachungsdienststellen besonders gebunden. Die beiden für 2015 geplanten Blitzmarathons mussten in Schleswig-Holstein ausfallen.

Quelle: im.schleswig-holstein.de

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