Tempolimit auf 130 km/h würde 1,9 Millionen Tonnen CO2 einsparen

Ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen würde 1,9 Millionen CO2-Emissionen pro Jahr einsparen und damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Die meisten europäischen Länder besitzen bereits ein generelles Tempolimit auf 130 km/h. Auch in Deutschland, wo derzeit laut der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) etwa 70 Prozent aller Autobahnabschnitte noch kein Tempolimit haben, fordern Umweltverbände eine entsprechende Einführung seit langem. Befürworter eines Tempolimits argumentieren vor allem mit geringeren CO2-Emissionen und weniger Verkehrstoten, während Kritiker ein Tempolimit als unnötige Einschränkung der persönlichen Freiheit sehen.

Eine nun veröffentlichte Berechnung des Umweltbundesamts (UBA) dürfte die seit Jahren andauernde Diskussion erneut anfachen. Wie die Behörde mitteilte, würde ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen auf 130 km/h pro Jahr etwa 1,9 Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen.

Großer Handlungsbedarf im Verkehrssektor

Svenja Schulze (SPD) nutzte die neuen Daten, um Werbung für ihre Position zu machen. Die Umweltministerien schrieb dazu auf Twitter, dass „es im Verkehrssektor beim Klimaschutz den größten Handlungsbedarf gibt und ein solches Tempolimit ist auch in der Gesellschaft mehrheitsfähig sei.“ Die eingesparten 1,9 Millionen Tonnen CO2 entsprachen etwa 1,2 Prozent der 163 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente, die in Deutschland jährlich insgesamt freigesetzt werden.

Betrachtet man nur die Autos und leichten Nutzfahrzeuge, auf die sich die Berechnung des UBA bezieht, entspricht eine Verringerung von 1,9 Millionen Tonnen CO2 sogar eine Reduzierung von fünf Prozent, im Vergleich zu den derzeitigen 39,1 Millionen Tonnen emittierten CO2.

Uneinigkeit um Tempolimit in der Politik

Trotz der neuen Veröffentlichung und des offensichtlichen Einsparpotentials herrscht in der Politik weiterhin Uneinigkeit über die Einführung eines Tempolimits. Andreas Scheuer (CSU) ist in seiner Position als Verkehrsministern gegen die Einführung und fordert stattdessen „mehr Intelligenz“ in der Verkehrslenkungen, die laut ihm durch die Digitalisierung möglich ist. Auch der Bundesrat hat erst vor wenigen Wochen ein generelles Tempolimit abgelehnt.

Emissionen im Verkehrsbereich kaum gesunken

Die aktuelle Fassung der Berechnungen des UBA zeigt darüber hinaus, dass seit 1999 die durch den Verkehr verursachten CO2-Emissionen kaum gesunken sind. Deutschland muss aufgrund dieser Entwicklung, die gegen EU-Ziele verstößt, deshalb schon bald sehr wahrscheinlich Strafzahlungen entrichten. Außerdem verlangt die EU Sofortprogramme von allen Ländern, die die CO2-Ziele nicht erreichen.

Umweltschutzorganisation wie Greenpeace und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die schon lange ein Tempolimit verlangen, sehen sich durch die Zahlen der Behörde in ihre Linie bestätigt. Greenpeace teilte dazu mit, dass „die Bundesregierung es jetzt schriftlich hat: Weniger Rasen schützt das Klima.“ Auch der Bund fordert Scheuer auf, „sein zu schwaches Klimaschutzprogramm zu überarbeiten und das Tempolimit mit aufzunehmen.“

Überraschenderweise hat sogar der ADAC, der lange strikt gegen ein Tempolimit war, seine ablehnende Grundhaltung offiziell verändert. Der Automobilclub fordert zwar noch keine Einführung eines Tempolimits, wirbt aber zumindest für umfassende Studien, die die Folgen für die Umwelt und die Verkehrssicherheit beleuchten sollen.

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