Viele Segelschulen bieten spezielle Führerscheinkurse an, einige Anbieter haben sich darauf spezialisiert, die Schein-Aspiranten bei kompakten Wochenendseminaren in einem schönen Revier fit für die Prüfung zu machen. Die verschiedenen Führerscheine und Zeugnisse, die vom Deutschen Segler Verband (DSV) ausgestellt werden, bauen aufeinander auf.
Der Sportbootführerschein, unterteilt in die Fahrtgebiete Binnen und See, ist die erste und wichtigste Berechtigung zum Steuern eines Bootes. Schon ab 14 Jahren können Jugendliche, die auf den Binnenschifffahrtwegen und -gewässern ein Segelboot von maximal 15 Meter Länge unter Motor steuern möchten, die Prüfung zum „Spobo Binnen“ ablegen. Nachwuchs-Motoryachtskipper müssen dagegen 16 Jahre alt sein.
Kurzseminare bereiten auf die theoretische Prüfung vor, die drei Themenschwerpunkte umfasst: Binnenschifffahrtsrecht, Seemannschaft und Fahrzeugführung. Ist die theoretische Prüfung geschafft, folgt meist zu Beginn der neuen Saison die praktische Prüfung an Bord. Neben den gängigen Manövern wie An- und Ablegen muss auch ein Rettungsmanöver gezeigt werden, außerdem überzeugen sich die Prüfer davon, dass die wichtigsten Knoten sitzen.
Wer braucht den SBF Binnen: Jeder, der mit mehr als 15 PS auf Binnengewässern unterwegs ist. Zudem wird der Führerschein manchmal bei der Teilnahme an Regatten verlangt.
Wer braucht den SBF See: Alle, die mit mehr als 15 PS in Küstengewässern fahren. Der Führerschein gilt innerhalb der Drei-Meilen-Zone und im Fahrwasser innerhalb einer Zwölf-Meilen-Zone vor der Küste. Nur wer einen Spobo See hat, kann in einem nächsten Schritt die höheren Küstensegelscheine machen. Anders als beim SBF Binnen müssen Anwärter auf den SBF See bei der Prüfung mindestens 16 Jahre alt sein.
Wer ernsthaft segeln möchte, braucht zusätzlich zum Spobo den Sportküstenschifferschein, SKS abgekürzt. Vorher muss akribisch Meilenbuch geführt werden, denn wer sich für die Prüfung anmelden möchte, muss mindestens 300 Seemeilen auf dem Buckel haben.
In der theoretischen Prüfung werden grundlegende navigatorische Kenntnisse im Rahmen einer Kartenaufgabe abgefragt und Basiswissen in Gezeitenkunde, die praktische Prüfung umfasst das komplette Know-how an Bord einer Segelyacht in Küstenrevieren mit bis zu zwölf Seemeilen Abstand von der Küste. Viele Vercharterer verlangen als Befähigungsnachweis den SBF in Kombination mit dem SKS.
Wer braucht den SKS: Alle, die küstennah mit einer Segelyacht unterwegs sind oder eine Yacht chartern wollen.
Die nächsthöhere Stufe ist der „SSS“, der Führerschein für Skipper in küstennahen Seegewässern innerhalb einer 30-Meilen-Zone zum Festland. Wer sich für die Prüfung anmeldet, muss in seinem Meilenbuch oder durch die schriftliche Bestätigung eines Skippers mindestens 1000 Seemeilen als Wachführer oder Co-Skipper gesegelt sein.
Die theoretische Prüfung hat es in sich und umfasst die vier Themenbereiche Navigation, Seemannschaft, Schifffahrtsrecht und Wetterkunde. Bei der praktischen Prüfung muss der angehende Skipper zeigen, dass er auch mit dem Radar umgehen kann.
Wer braucht den SSS: Verbindlich vorgeschrieben ist der Sportseeschifferschein nur für all diejenigen, die als professionelle Skipper gewerblich auf Sportbooten unterwegs sind.
Mehr geht nicht – zumindest, wenn es sich um einen in Deutschland ausgestellten Segelschein handelt. Wer den SHS in der Tasche hat, kann weltweit auf große Fahrt gehen. Allerdings ist der SHS für Seglerinnen und Segler, die zum Beispiel einen ausgedehnten Törn über den Atlantik in die Karibik planen, nur amtlich empfohlen, nicht aber vorgeschrieben.
Wie beim SSS gibt es keine praktische Prüfung mehr, dafür aber eine sehr komplexe theoretische Prüfung, in der die Bereiche Navigation, Schifffahrtsrecht und Wetterkunde detailliert abgefragt werden. SHS-Anwärter müssen sich in astronomischer Navigation auskennen und mit dem Sextant umgehen können, zudem sollten sie die Grundlagen des internationalen Seerechts beherrschen.
Wer braucht den SHS: Vorgeschrieben ist der Schein nur für professionelle Skipper, die weltweit im Einsatz sind. Wer aber ferne Reviere erkunden will, kann sich beim Büffeln für den Schein ein sehr breites Fachwissen aneignen.
Beim Führen einer Yacht ist das richtige Funkzeugnis fast genauso wichtig wie der Segelschein. Binnenschiffer brauchen das UBI abgekürzte UKW-Sprechfunkzeugnis. Wer am UKW-Seefunk teilnehmen möchte oder eine Yacht mit Funkanlage chartern will, braucht das Funkzeugnis SRC (Short Range Certificate) – ganz egal, ob die Funkanlage genutzt wird oder nicht.
Wer den SRC hat, darf am weltweiten Seenot- und Sicherheitsfunksystem GMDSS teilnehmen. Auf allen Frequenzen und auch über Satellit kommunizieren dürfen nur Skipper, die das aufwändigere LRC (Long Range Certificate) haben. Wer diese Prüfung erfolgreich ablegt, hat gleichzeitig auch das SRC geschafft.

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