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Ludwigsburg. Ludwigsburg/Böblingen. Sie fahren Dienstwagen mit bis zu 500 Pferdestärken – fast 20 Meter lang und 20 Tonnen schwer: die 103 000 Busfahrer in Deutschland. Sie transportieren Ältere zum Einkaufen, Kinder in die Schule und kämpfen mit den Staus in unseren Städten, die ihre Fahrpläne durchkreuzen. Kein einfacher Job. „Verantwortungsvolle Tätigkeit, Abwechslungsreichtum und sichere Arbeitsplätze“ lauten die Argumente, mit denen die Branche um Nachwuchs wirbt. Dennoch bleibt die Profession des Fahrers ein Mangelberuf.
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In vielen Gegenden sind die Unternehmen alarmiert, da sie nur schwer Busfahrer finden. „Wir haben in vielen Regionen praktisch keine Arbeitslosen mehr, die sich auf Stellen bewerben könnten“, klagte unlängst Karl Hülsmann, der neue Präsident des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmer (bdo).
Im Südwesten stellt sich die Situation nicht ganz so dramatisch dar, vor allem im Großraum Stuttgart. „Es sieht derzeit bei uns nicht so kritisch aus wie in anderen Bundesländern“, betont Klaus Zimmermann vom Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmer (WBO) in Böblingen. Ein Hauptgrund sei das hohe Lohnniveau im Land. „Ein Fahrer verdient um die 17 Euro die Stunde“, so der Verbandssprecher. Zusätzlich gibt es Zuschläge für Nacht-, Wochenend- und Sonnstagseinsätze. Der Südwesten wirkt auch als Jobmagnet für Interessenten aus anderen Regionen. „Eigentlich ein recht angenehmer Job“, sagt Zimmermann. Und dennoch scheint der Beruf ein Imageproblem zu haben, das auch mit den Einsatzzeiten zusammenhängen könnte. „Es gibt vielleicht bequemere Arbeiten“, meint Verbandschef Hülsmann dazu. Auch die Führerscheinkosten von 10 000 bis 12 000 Euro könnten Interessierte abschrecken. Nicht nur das. Mit der Abschaffung der Wehrpflicht ist den Firmen eine Nachwuchsquelle weggebrochen: die Bundeswehr. Nicht wenige Fahrer hatten dort früher ihren Lkw- oder gar Busführerschein gemacht.
Auch im Südwesten ist das Gros der 25 000 Busfahrer um die 60 Jahre alt. „Bedingt durch die Altersstruktur kann sich in einigen Jahren auch im Land ein Fahrermangel abzeichnen“, sagt Zimmermann. Problematisch sei es etwa, Busfahrer aus dem Ausland anzuwerben – anders als bei Lastwagenfahrern. Häufig macht sich da die Sprachbarriere bemerkbar. „Wenn ein Fahrgast nach einer Verbindung oder nach dem Weg fragt“, spricht er die Sprachbarriere an, „sollte ein Fahrer ihm dies auch erklären können.“
SSB setzt auf eigene Ausbildung
Nicht wenige Südwest-Firmen versuchen, dem erwarteten Mangel mit verstärkter Ausbildung entgegenzuwirken. So auch bei der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), die bei einem Bestand von 250 Bussen 700 Fahrer zählt. „Wir bilden in diesem Jahr 60 Fahrer aus“, sagt SSB-Sprecherin Birte Schaper. Dies sei auch der SSB-Bedarf. „Wir bemühen uns, geeigneten Nachwuchs zu gewinnen.“ Dies werde in Zukunft wohl schwieriger – ausschlaggebend sei die Lage auf dem Arbeitsmarkt, stimmt sie Hülsmann zu.
Besser ist die Lage wohl in Ludwigsburg. „Wir profitieren vom Tariflohn“, sagt Jens Jacobi, stellvertretender Betriebsleiter der LVL Jäger GmbH in Ludwigsburg. „Wenn Sie den Ruf haben, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, vernünftige Arbeitsbedingungen bieten und ein gutes Betriebsklima haben, dann haben Sie auch kein Problem, gutes Fahrpersonal zu finden“, zeigt er sich überzeugt. Jacobi verweist darauf, dass Baden-Württemberg beim Tariflohn mit 17 Euro pro Stunde an der Spitze liegt. Im Nordosten der Republik sei dieser mit zehn bis elf Euro viel niedriger. „Wir haben sehr viele Initiativbewerbungen“, betont Jacobi. LVL Jäger verfügt über 80 Linienbusse und beschäftigt 190 Mitarbeiter.
Frauen werden umworben
Auch die Frauen hat die Branche im Fokus. „Schätzungsweise gibt es bei den WBO-Unternehmen Fahrerinnen im höheren einstelligen Prozentbereich“, weiß Zimmermann. „Wir wollten bereits mit der Regionaldirektion ein Projekt in Pforzheim aufziehen.“ Im Land verfügen 1600 Frauen über die Fahrerlaubnis. Dies entspricht 6,4 Prozent aller Busfahrer. „Wir haben zwei Fahrerinnen und würden gerne mehr Frauen anstellen“, sagt Jens Jacobi. Allerdings gibt es dafür auch in Ludwigsburg zu wenig technikaffine Interessentinnen. Ganz anders sei die Lage zum Beispiel in Barcelona, wo es auffallend viele Busfahrerinnen gebe.
Eine Zukunftshoffnung verbindet die Branche mit dem autonomen Fahren. „Der Fahrermangel könnte sich auf diese Weise abwenden lassen, weil nur eine Begleitperson mitfährt“, so Hülsmann. Bis dahin sind aber einige Probleme zu lösen: etwa das Anfahren an einer Haltestelle in Ausnahmesituationen, wie beim Gedränge nach Schulschluss. Auch der WBO glaubt nicht, dass das Thema in den nächsten Jahren im Alltagsverkehr eine große Rolle spielen wird und sich auf die Fahrerversorgung auswirkt. Da bestehe für Busfahrer keine Gefahr, arbeitslos zu werden.
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