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von Jessica Brautzsch, MDR AKTUELL
Stand: 10. September 2021, 10:29 Uhr
An den meisten Ladesäulen für E-Autos lässt sich nicht mit EC-Karte zahlen, sondern mit Apps, Ladekarten oder anderen digitalen Möglichkeiten. Das soll sich mit der überarbeiteten Ladesäulenverordnung ändern, über die kommende Woche der Bundesrat entscheidet. Viele Ladesäulen-Anbieter protestieren aber gegen diese Änderung, denn das Zahlen mit Girocards und Co. sei veraltet.
Mit EC-Karte kommt man an der Ladesäule meist nicht weit – bislang
MDR AKTUELL Fr 10.09.2021 08:09Uhr 02:43 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Tanken ist simpel: an der Tankstelle den jeweiligen Kraftstoff ins Auto füllen und anschließend an der Kasse oder einem Bezahlterminal bezahlen – gerne auch mit Giro- oder Kreditkarte.
Für E-Autofahrer gestalte sich die Situation beim Aufladen komplizierter, sagt Gregor Kolbe, Referent für Verkehrsmärkte bei der Verbraucherzentrale: „Momentan haben wir die Situation, dass es sehr viele Ladesäulenbetreiber und auch sogenannte Elektromobilitätsprovider gibt, also die Ladestrombetreiber. Die geben ihre Apps, ihre Ladekarten raus – da gibt es eine Fülle an Angeboten. Das Problem ist, dass man nicht an allen Ladesäulen mit allen Apps und Ladekarten laden kann.“
E-Mobilität gilt als ein Schlüssel, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Doch ohne Ladestationen bleiben E-Autos schnell auf der Strecke. Eine Million Ladepunkte hatte der Bund bis 2030 angekündigt. Wie ist der Stand?
Doch dem widerspricht der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Wenn sich ein Kunde für einen Anbieter entschieden habe, so könne er trotzdem an den meisten Säulen laden – unabhängig vom Anbieter.
Und man baue schließlich eine Lade-Infrastruktur für die Zukunft, meint Jan Strobe vom BDEW: „Ich glaube, ein Punkt ist klar: nämlich, dass die Welt 2030 deutlich digitaler sein wird, als sie es heute schon ist. Und auch die Elektromobilität ist heute schon sehr digital. Und das wird noch zunehmen.“ Jetzt Kartenzahlung einzuführen, sei wie Telefonhäuschen zu bauen: 2030 brauche man das nicht mehr.
Aktuelle Studien zeigen allerdings, dass die meisten Deutschen nur ungern digital bezahlen. Kartenzahlung sei einfach der aktuelle Standard, sagt Ingo Limburg, Vorstandsvorsitzender der Initiative Deutsche Zahlungssysteme. Und er hält sie zudem für essentiell, um E-Autos für die Masse attraktiv zu machen: „Nur durch diese Wahlfreiheit beim Bezahlen in so einem offenen System verhelfen wir der E-Mobilität zum Durchbruch. Und die Verbraucherinnen und Verbraucher wollen auch diese Wahlfreiheit beim System. Warum? Sie sind es schlichtweg gewohnt.“
Ein Bündnis von Bund, Ländern und Kommunen soll den Verkehr zukunftsfähig machen. Vieles bleibt dabei noch Absicht, Manches wird konkret: Für Parkflächen in Innenstädten müssen Anwohner mit höheren Gebühren rechnen.
Sollten Terminals für Kartenzahlung an Ladesäulen verpflichtend werden, kämen auf die Anbieter enorme Kosten für Umbau und Neuanschaffungen zu. Das befürchtet auch Carsten Wald vom Energieversorger Sachsen Energie: „Da wird es so um 300 Euro gehen pro Ladeeinrichtung. Wir müssen aber auch sehen, dass wir das im Feld machen müssen.“
Das heiße, ein Großteil sei schon aufgebaut und man habe noch eine Montageleistung, die etwa einen ähnlichen Betrag einnehmen könnte. „Also es wird schon knapp unter 1.000 Euro pro Ladesäule rauskommen.“
Trotz allem ist auch bei kommunalen Anbietern Verständnis für den Wunsch nach Kartenzahlung zu hören. So bekennt Thomas Pietsch, Sprecher der Geschäftsführung der Städtischen Werke Magdeburg: „Das ist aus Sicht des Nutzers hochvernünftig. Denn momentan ist es schwierig, gerade wenn man mit dem E-Auto in fremden Orten unterwegs ist, dort eine Bezahlung an der Säule hinzubekommen. Das ist zum Teil wirklich aufwendig.“
Kommende Woche entscheidet der Bundesrat über die geänderte Ladesäulenverordnung. Gibt er grünes Licht, wird es ab 1. Juli 2023 möglich sein, an Ladesäulen auch mit Karte bezahlen zu können.
Wer als E-Auto-Fahrer in Thüringen unterwegs ist, bekommt mitunter Probleme. Ladesäulen-Lücken gibt es vor allem in Ballungsräumen. Das Umweltministerium will die Situation mit einem Förderprogramm entschärfen.
Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. September 2021 | 08:09 Uhr
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