Kristin Brandt ist gelernte Reitsportsattlerin. Doch seit zwei Jahren ist sie Busfahrerin – zur Freude der Busgesellschaft OPR. Diese sucht Busfahrer.
Kristin Brandt fühlt sich wohl, wenn sie Bus fährt. Sie ist in ihrem Beruf anerkannt und bringt verschiedenste Menschen von A nach B, meist auf einer der Neuruppiner Stadtlinien. Denn sie ist alleinerziehend und hat eine siebenjährige Tochter.
Die Busgesellschaft ORP versucht, so gut es geht, darauf Rücksicht zu nehmen. Schließlich sucht das kreiseigene Unternehmen Busfahrer und hat deshalb bereits seit Längerem einen Kooperationsvertrag mit der Neuruppiner Arbeitsagentur geschlossen. Diesem Vertrag hat es wohl Kristin Brandt auch mit zu verdanken, dass sie nun bereits seit rund zwei Jahren Fahrgäste zu ihrem Ziel fährt. Denn die 32 Jahre alte Neuruppinerin hat eigentlich Reitsportsattlerin gelernt. Doch ihr damaliger Meister entließ sie, weil die Geschäfte nicht mehr so liefen. „Viele Leute kaufen nur noch billig. Da stirbt das Handwerk aus.“ Für Kristin Brandt hieß das, dass sie sich einen neuen Beruf suchen musste.
Den Berufswechsel hat sie bisher nicht bereut. Zum einen hat ihr das Arbeitsamt den Busführerschein, den sie machen musste, bezahlt. Zum anderen ist bei der Busgesellschaft kein Tag wie der andere. Mal vergisst ein Schüler seinen Sportbeutel im Bus, mal sucht ein älterer Fahrgast das Gespräch mit ihr, um sich genau den weiteren Weg beschreiben zu lassen, oder ein Rentner freut sich einfach, sie mal wieder hinter dem Lenkrad zu sehen. Oder sie muss kurzfristig eine andere Linie übernehmen, weil ein Kollege ausgefallen ist.
„Ich fahre nach wie vor gern Bus“, sagt Kristin Brandt – am liebsten die Frühschicht. Zwar beginnt diese bereits um 4.15 Uhr, doch Kristin Brandt hat dann auch schon um 12.15 Uhr Feierabend und kann den Nachmittag mit ihrem Tochter verbringen und sich um den Einkauf sowie den Haushalt kümmern. Ab und zu macht sie auch mal ein neues Halsband für ihren Hund, der eine Mischung aus Berner Sennen und kaukasischer Schäferhund ist. Kristin Brandt empfiehlt jedem, der Spaß am Fahren und am Umgang mit Menschen hat, mal nach einem Praktikum bei der Busgesellschaft zu fragen. Schließlich werden gerade für den Altkreis Neuruppin acht Fahrer gesucht.
Allerdings sollten Interessenten nicht allein über eine abgeschlossene Berufsausbildung und einen Führerschein der Klasse D verfügen, sondern ebenfalls bereit sein, auch regelmäßig an den Wochenenden und Feiertagen zu arbeiten. Im Gegenzug werden die Fahrer nach Tarifvertrag bezahlt, sie werden arbeitsmedizinisch betreut und zudem mit Dienstbekleidung ausgestattet, sagt Babett Weyrich, die bei der Busgesellschaft für das Personal und den Verkehr verantwortlich ist.
Die ORP, die gut 140 Mitarbeiter beschäftigt, verfügt derzeit über rund 100 Busse, die auf mehr als 40 Linien im Landkreis im Einsatz sind.
Von Andreas Vogel