Es ist ein Freitag gegen 20 Uhr. Während überall Menschen den Start in ein freies Wochenende genießen, stechen elf Feuerwehrleute aus Templin und fünf aus Zehdenick mit ihren Feuerwehrbooten in See. Allerdings nicht, wie Freizeitkapitäne und Angler an dem Abend, zu ihrem Vergnügen oder zur Erholung. Vielmehr müssen sie auf dem Templiner Stadtsee zeigen, wie sicher sie inzwischen diverse Bootsmanöver beherrschen. Vor etwas mehr als zwei Wochen haben sie eine Spezialausbildung begonnen, an dessen Ende der Erwerb des Bootsführerscheins für Binnengewässer steht. Templin.
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„Macht es euch so leicht wie möglich. Fahrt langsam an die Anlegestelle heran. Und denkt an die richtigen Kommandos“, instruiert Oskar Puch seine „Fahrschüler“. Der Berufsfeuerwehrmann aus der Stadt Brandenburg, der selbst jahrelang zur See gefahren ist und sich auf die Bootsausbildung spezialisiert hat, leitet den Lehrgang in Templin. Es liegt schon eine Weile zurück, dass die Stadtfeuerwehr Templin Bootsführer für ihr Rettungsboot ausgebildet hat, sagt Löschzugführer Christopher Zahl. Durch diverse Kontakte zum Löschzug Ladeburg in der jüngsten Vergangenheit, die zu Einsätzen auf Gewässern herangezogen worden waren, erfuhren die Templiner von der Ausbildung für Bootsmaschinisten. Und da auch die Nachbarfeuerwehr in Zehdenick Interesse daran hat, Bootsführer auszubilden, entschlossen sich die Verantwortlichen in beiden Städten zur interkommunalen Zusammenarbeit, so Zahl.
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Ein „Spaziergang“ ist die Ausbildung über 50 Stunden nicht. In vier Theorie- und vier Praxiseinheiten müssen sich die Feuerwehrleute umfangreiches Wissen aneignen – beispielsweise zur Grundausbildung eines sogenannten Decksmanns, zu Bootskunde, zu nautischen Grundkenntnissen, zu Binnenschifffahrtsrecht. Doch die Schulung der Feuerwehrleute geht weit über die Anforderungen hinaus, die an eine Ausbildung für einen zivilen Bootsführerschein auf Binnengewässern gestellt werden. Sie umfasst ebenso Bestandteile zur Bekämpfung von Bränden auf Booten, zur Menschenrettung auf Gewässern oder zum Katastrophenschutz bei Havarien, wie zum Beispiel das Ausbringen von Ölsperren bei Gewässerverunreinigungen. Da reichen die Stunden an den Ausbildungstagen nicht aus. Jeder der Feuerwehrleute muss zusätzlich zu Hause Freizeit opfern, um für den Bootsführerschein zu pauken.
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Und wofür das alles? „Ich will mich einfach in meiner Feuerwehrtätigkeit fortbilden. Außerdem kann ich den Bootsführerschein gut für meine berufliche Tätigkeit bei den hauptamtlichen Kräften der Feuerwehr Schwedt gebrauchen. Zu unserer Ausrüstung dort gehört auch ein Rettungsboot“, erzählte Tony Schreyer. Vivien Eichmann findet Bootfahren einfach sehr interessant. Die 20-jährige Feuerwehrfrau in der Stadtfeuerwehr Templin ist ohne Vorkenntnisse in die Ausbildung gegangen. Trotz des Pensums ist sie optimistisch. „Ich habe mir die Ausbildung härter vorgestellt. Es ist zu schaffen, auch als Frau“, sagte sie.
Die Stimmung unter den angehenden Bootsführern ist gut. „Die Truppe ist super motiviert“, lobte Oskar Puch. Die ersten theoretischen Tests hätten die Feuerwehrleute schon mit Bravour bestanden. Doch am 20. August gilt es. Dann steht die praktische Prüfung an, und es wird sich zeigen, ob sich die Stunden auf dem Stadtsee gelohnt haben.
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