Berger: Kinderunfallstatistik – Kinder in MV besonders gefährdet

Berger: Kinderunfallstatistik – Kinder in MV besonders gefährdet Ulrike Berger - Landtagsfraktion BÜNDNIS 90 - DIE GRÜNEN - Silke Winkler
(BVP) In keinem anderen Bundesland verunglücken Kinder im Grundschulalter so häufig im Straßenverkehr wie in Mecklenburg-Vorpommern. Das geht aus dem gerade erschienenen Bericht „Kinderunfälle im Straßenverkehr 2015“ des Bundesamtes für Statistik hervor. Je 100.000 Einwohner verunglückten in M-V im vergangenen Jahr 362 Kinder im Alter zwischen sechs und neun Jahren. Im Bundesdurchschnitt lag die Zahl bei 274. Dazu die bildungspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Ulrike Berger:

„Ich appelliere zum Schuljahresbeginn an alle Verkehrsbeteiligten, besondere Vorsicht walten zu lassen. Die Landesregierung muss den Ursachen dieser hohen Unfallzahlen schnell auf den Grund gehen und gemeinsam mit den Kommunen die Verkehrssicherheit für Kinder und Jugendliche erhöhen. Leider hat die Zahl der verunglückten Kinder im Grundschulalter seit 2011 sogar um 13 Prozent zugenommen. Während sie im Bundesdurchschnitt sank, stieg die Zahl in M-V von 319 auf 362 Kinder je 100.000 Einwohner. Die einzige wirklich gute Nachricht: 2015 kam kein Kind in unserem Bundesland bei einem Verkehrsunfall ums Leben.

Klar ist, dass für Kinder in Mecklenburg-Vorpommern besonders große Risikofaktoren im Straßenverkehr bestehen. Bei Erwachsenen ist das Unfallrisiko mit Personenschaden bei 338 Betroffenen je 100.000 Einwohner hingegen niedriger als im Bundesdurchschnitt mit 368. Ein großer Teil der Kinderunfälle geschieht gemäß Statistischem Bundesamt zu den klassischen Schulwegzeiten. In M-V sind Kinder besonders lange unterwegs. Denn unser Land hat bundesweit die längsten Schulwege zu Grundschulen und Gymnasien und die zweitlängsten Wege zu Regionalen Schulen, wie der Bildungsbericht 2016 der Bundesregierung zuletzt noch einmal aufzeigte. Oft sind die Schulbusverbindungen so ungünstig, dass die Eltern ihre Kinder kurzerhand mit dem Auto zur Schule fahren. Doch das ist nicht unbedingt sicherer: Ein hoher Anteil der Unfälle von Kindern geschieht als Mitfahrer im PKW.

Warum gerade unser Bundesland so große Verkehrsrisiken für Kinder birgt, muss genau analysiert werden. Viele Maßnahmen für mehr Sicherheit können jedoch bereits jetzt angegangen werden. Alle Schulen müssen in ihren Einzugsbereichen über sichere Fahrradwege erreichbar sein. Die langen Mindestentfernungen für das Recht auf Schülerbeförderung gehören auf den Prüfstand. Denn viele Kinder sind kilometerweit zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule unterwegs, weil das Recht auf einen Schulbus für Grundschüler erst ab zwei Kilometern und für ältere Schüler sogar erst ab vier Kilometern zur Schule besteht. Die Verkehrserziehung an den Schulen sollte noch umfassender gestaltet werden. Und natürlich sollten sich auch die Schulwege nicht immer weiter verlängern – darum müssen auch die kleine Schulstandorte im Land gesichert werden.“
 
Quelle: gruene-fraktion-mv.de